Landwirtschaft

Welche EU-Fahrerlaubnis gilt für welches Fahrzeug ?

 

Der deutsche Führerschein ist Vergangenheit – sein europäischer Nachfolger ist da: Mit Neuheiten, die auch den Landwirt angehen. Beispielsweise sind ärztliche Zwischenchecks bei Inhabern von Lkw-Fahrerlaubnissen geboten. Auf der anderen Seite winkt eine besondere Begünstigung für die Land- und Forstwirtschaft, in Form des EU-Führerscheins der Klasse T. Unter Umständen kann ein Umtausch des deutschen "Dreiers" gegen eine EU-Fahrerlaubnis genügen, um sich diese Begünstigung zu sichern. Klar, daß die Umstellung dem Landwirt Kopfzerbrechen machen kann – und das nicht nur im Blick auf sein eigenes Fahrpapier. "Welche Führerscheine müssen unsere Kinder für unseren Fuhrpark erwerben?", wird er sich vielleicht fragen. Oder auch bei der Einstellung eines Mitarbeiters, der eine neue EU-Fahrerlaubnis vorweist: Welche Fahrzeuge und Züge darf er damit lenken – und welche nicht?

Vieles wird anders

Zug- und Arbeitsmaschinen, aber auch Lkw und Geländewagen und dazu eine Fülle von Anhängern: Das sind die typischen Fahrzeuge in land- und forstwirtschaftlichen Fuhrparks. Um sie alle lenken zu dürfen, hat bisher ein Führerschein der Klasse 2 ausgereicht. In vielen Fällen hat es sogar der "Dreier" getan: Für beliebige Kraftwagen bis zu 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht nebst einem Ein- bzw. Tandemachs-Anhänger, aber auch für jeden 25-km/h-Zug aus zulassungsfreien

Anhängern und einem vorgespannten Schlepper. Mit Inhabern der Klassen 2 und 3 ist folglich der Betrieb aufs Beste gerüstet gewesen. Bei den EU-Fahrerlaubnissen wird es komplizierter:

Weitere Einzelheiten zu den EU-Fahrerlaubnissen, die den Landwirt in besonderem Maße angehen, sind aus unserer Tabelle zu ersehen ("Landwirtschaft und EU-Führerschein: Was steckt in welcher Klasse?").

Den "Alten" rechtzeitig auffrischen

»In unserer Familie und bei unseren Mitarbeitern haben wir genügend Fahrer mit dem alten "Zweier" und "Dreier". Also kann uns der Rummel um die neuen EU-Vorschriften egal sein«. So mag mancher Landwirt denken – im Vertrauen auf die lebenslange Geltung der bisherigen deutschen Führerscheine. Doch da gibt es jetzt einen Abstrich: Auch die Inhaber von Fahrerlaubnissen der Klassen 2 und 3 müssen künftig zum ärztlichen Zwischencheck, wenn sie ihre vollen Nutzfahrzeug-Berechtigungen erhalten wollen. Ab dem 50. Lebensjahr sind sie dazu verpflichtet – mit einer Nachfrist für alle, die ihren "Fünfzigsten" schon gefeiert haben oder vor dem 1. Januar 2000 noch feiern werden. Bis zum 31. Dezember 2000 bleibt ihnen Zeit für die erste Untersuchung. Den "Alten" nicht rechtzeitig durch den gebotenen Arztbesuch aufgefrischt? Das bedeutet, daß er automatisch abgewertet ist. Die Folgen im einzelnen:

Lohnt ein Umtausch?

Ein "Muß" ist der Umtausch deutscher Fahrerlaubnisse gegen den neuen EU-Führerschein im Scheckkartenformat, wenn die vollen Berechtigungen eines "Zweiers" oder "Dreiers" durch einen ärztlichen Check gesichert bleiben sollen (siehe hierzu auch unser Kapitel »Den "Alten" rechtzeitig auffrischen«). Ansonsten gibt es keinen Tauschzwang. Doch wer die Klasse 3 besitzt und in der Land- oder Forstwirtschaft tätig ist, kann von einer Umwandlung kräftig profitieren. Der Tausch verheißt ihm einen EU-Führerschein, der seinen bisherigen "Dreier" noch übertrifft und folgende Klassen umfaßt:

 

Aber Achtung: Die T- und die "CE 79"-Berechtigung müssen beim Umtausch extra beantragt werden. Für die Zuteilung der T-Klasse ist eine Tätigkeit im land- und forstwirtschaftlichen Bereich nachzuweisen; die "CE 79"-Eintragung erfordert ab der Altersgrenze von 50 Jahren einen ärztlichen Check.

T- und L- Klassen: Auf die Limits achten

Nicht selten kommt es vor, daß ein Landwirt seinen Fuhrpark auch für anderweitige Zwecke einsetzt. Hier mag sich ein Nebenerwerb bei einem Baugeschäft oder sonst einer Firma mit Beförderungsbedarf anbieten. Dort bittet vielleicht eine befreundete Familie um Transporthilfe für ihren Umzug. Doch wer darf sich in solchen Fällen ans Steuer setzen? Und wer darf es tun, wenn ein Fahrer gefragt ist, um Zugmaschinen eines Unternehmens außerhalb der Landwirtschaft zu lenken?

Wer ein passendes Papier der alten deutschen Klassen oder auch der neuen EU-Klassen C und C 1 nebst zusätzlicher E-Erlaubnis für Anhänger in der Tasche hat, muß sich keine weiteren Gedanken machen. Anders aber, wenn er nur die Klasse T oder L für die Beförderung vorweisen kann. Dann muß er "Nein" sagen, wegen der besonderen Beschränkung ihrer Berechtigungen.

Was diese Beschränkung im einzelnen bedeutet, ist aus Paragraph 6 der neuen Fahrerlaubnisverordnung zu ersehen:

Immerhin: Bei der Festlegung der Bereiche, in denen die T- und L-Klassen volle Gültigkeit haben, ist Paragraph 6 der Fahrerlaubnisverordnung nicht kleinlich. Neben den klassischen Betrieben der Land- und Forstwirtschaft begünstigt er auch die Winzer, Gärtner und Obst- bzw. Gemüseanbauer, die Fischerei und die Teichwirtschaft sowie die Imker. Ebenso nennt er die Landschafts-, Park-, Garten-, Böschungs- und Friedhofspflege. Mit eingeschlossen sind Nachbarschaftshilfen und Nebenerwerbstätigkeiten innerhalb der Landwirtschaft sowie die land- bzw. forstwirtschaftlichen Lohnunternehmen und Maschinenringe.

Welche EU-Fahrerlaubnis für den Nachwuchs?

Welche Führerscheine brauchen wir in Zukunft für unseren Betriebe? Diese Frage wird für den Landwirt besonders aktuell, wenn seine Kinder ins passende Alter kommen – oder auch, wenn die Erweiterung der Fahrerlaubnis bei einem Mitarbeiter zur Debatte steht. Was soll er im Blick auf die neuen EU-Führerscheine raten?

 

Landwirtschaft und EU-Führerschein: Was steckt in welcher Klasse?

Klasse

Berechtigungen

Mit eingeschlossen

Ergänzende Hinweise

B (Pkw, Klein-transporter u.ä.)

Mindestalter für Erwerb: 18 Jahre

Kraftwagen bis 3,5 Tonnen (zulässiges Gesamtgewicht)

Anhänger

– bis 750 kg (zulässiges Gesamtgewicht) oder – bis zum Leergewicht des Zugwagens, sofern ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen für das Gespann eingehalten wird

Berechtigungen der Klasse L (Einzelheiten siehe dort) und der Klasse M (Kleinkrafträder)

Überschreitet der Kraftwagen das 3,5-Tonnen-Limit, muß der Fahrer die Klasse C 1 besitzen.

Reichen die Anhänger-Berechtigungen der Klasse B nicht aus, ist ein zusätzlicher Anhänger-Führerschein der Klasse E erforderlich. Erst mit "BE" kann die technisch zulässige Anhängelast von Kfz bis zu 3,5 Tonnen voll ausgenutzt werden, bis hin zum 1,5-fachen des Zugwagen-Gesamtgewichts und Hängern bis zu 5,25 Tonnen.

C 1 (Leichte Nutzfahrzeuge)

Mindestalter für Erwerb: 18 Jahre

Vorbesitz der Klasse B erforderlich

Kraftwagen über 3,5 bis 7,5 Tonnen (zulässiges Gesamtgewicht)

Anhänger bis 750 kg (zulässiges Gesamtgewicht)

Berechtigungen der Klassen B und L (Einzelheiten siehe dort) sowie der Klasse M (Kleinkrafträder)

Sollen Anhänger über 750 kg angekuppelt werden, ist ein zusätzlicher Anhänger-Führerschein der Klasse E erforderlich. Dann gilt:

– Das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers darf nicht über dem Leergewicht des Zugwagens liegen. – Die zulässigen Gesamtgewichte von Zugwagen und Anhänger zusammengerechnet, ist ein Limit von 12 Tonnen ein-zuhalten.

L (Langsame Zug- und Arbeits-maschinen, Stapler)

Mindestalter für Erwerb: 16 Jahre

Land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen bis zu 32 km/h (bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit), auch mit Anhängern (dann Geschwindigkeitsbeschränkung auf 25 km/h)

Selbstfahrende Arbeitsmaschinen bis zu 25 km/h (bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit), auch mit Anhängern

Flurförderzeuge bis zu 25 km/h bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit)

Keine Einschlüsse

Achtung: Die Klasse L ist bei den Zugmaschinen auf Fahrten im Bereich der Land-und Forstwirtschaft beschränkt.

Kann die Zugmaschine schneller als 25 km/h fahren und werden Anhänger angekuppelt, ist das 25-km/h-Limit durch Geschwindig-keitsschilder an den Hängern auszuweisen (siehe auch § 58 StVZO).

Flurförderzeuge – sprich Stapler –, die schneller als 6 km/h fahren können und im öffentlichen Verkehrsraum bewegt werden, sind jetzt nicht mehr erlaubnisfrei. Ihr Fahrer muß die Klasse L haben.

T (Schnelle Zug-und Arbeits-maschinen der Land- und Forstwirtschaft)

Mindestalter für Erwerb: 16 Jahre mit Beschränkung auf 40 km/h bis 18 Jahre

Zugmaschinen bis zu 60 km/h (bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit)

Selbstfahrende Arbeitsmaschinen bis zu 40 km/h (bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit)

Alle zulässigen Anhänger hinter diesen Maschinen

Berechtigungen der Klasse L (Einzelheiten siehe dort) und der Klasse M (Kleinkrafträder)

Achtung: Die Klasse T ist auf Fahrten im Bereich der Land- und Forstwirtschaft beschränkt. Ausgenommen von dieser Beschränkung sind die allgemeinen Berechtigungen der mit eingeschlossenen Klassen L und M (Langsame Arbeitsmaschinen, Stapler, Kleinkrafträder)

Die Erweiterung der Erlaubnis auf 60km/h- Zugmaschinen gilt automatisch ab 18 Jahren.

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